Altdeutsche Schrift: Geschichte & Generator
„Altdeutsche Schrift“ ist ein Sammelbegriff für Druck- und Handschriften, die im deutschen Sprachraum über Jahrhunderte üblich waren. Hier findest du den Überblick – und einen Generator für den Fraktur-Look.
Altdeutsche Schrift: Stile zum Kopieren
Kurzüberblick
Unter „altdeutscher Schrift“ versteht man zwei Gruppen: gebrochene Druckschriften wie Textura, Schwabacher und Fraktur sowie die deutsche Schreibschrift für die Hand – Kurrent und ihre vereinfachte Schulform Sütterlin. Gemeinsam ist ihnen, dass sie bis ins 20. Jahrhundert den Alltag in Deutschland prägten, während in den meisten anderen europäischen Ländern längst die runde Antiqua üblich war.
Die wichtigsten Druckschriften
| Schrift | Zeit | Merkmale |
|---|---|---|
| Textura | ab dem 12. Jh. | Schmal, eng, gitterartig („gewebt“). Johannes Gutenberg setzte seine Bibel um 1455 in einer Textura. |
| Schwabacher | ab Ende 15. Jh. | Breiter und runder, volkstümlich. Häufig in Drucken der Reformationszeit. |
| Fraktur | ab Anfang 16. Jh. | Elegante, geschwungene Großbuchstaben, „Elefantenrüssel“ am Versal. Entstanden im Umfeld Kaiser Maximilians I.; Hauptschrift deutscher Bücher und Zeitungen bis 1941. |
Die Handschriften: Kurrent und Sütterlin
Kurrent war vom 16. bis ins 20. Jahrhundert die übliche deutsche Schreibschrift – spitz, schräg und mit großen Ober- und Unterlängen. Wer alte Briefe, Kirchenbücher oder Urkunden liest, begegnet ihr ständig.
Sütterlin ist eine vereinfachte, senkrechtere Form, die der Grafiker Ludwig Sütterlin 1911 im Auftrag des preußischen Kultusministeriums entwarf. Ab 1915 wurde sie an preußischen Schulen eingeführt und in den 1920er- und 1930er-Jahren in vielen Teilen Deutschlands gelehrt. Umgangssprachlich wird heute oft jede alte deutsche Handschrift „Sütterlin“ genannt.
Kurrent und Sütterlin gibt es nicht als Unicode-Zeichen. Der Generator oben erzeugt deshalb nur den Fraktur-Look. Für Handschrift-Nachbildungen benötigst du eine installierte Schriftdatei.
Das Ende im Alltag: der Normalschrifterlass 1941
Am 3. Januar 1941 ordnete Martin Bormann im Namen Hitlers an, die gebrochenen Schriften nicht mehr zu verwenden und die Antiqua zur „Normalschrift“ zu machen. Begründet wurde das mit der falschen Behauptung, die Schwabacher seien „Judenlettern“ – tatsächlich ging es vor allem um die Lesbarkeit im besetzten Ausland. Kurz darauf wurde auch die deutsche Schreibschrift an Schulen durch eine lateinische Schreibschrift ersetzt.
Fraktur wird deshalb heute manchmal fälschlich als „Nazi-Schrift“ wahrgenommen. Historisch ist das nicht korrekt – dennoch nutzen extremistische Gruppen sie gelegentlich als Symbol. Der Kontext entscheidet, wie eine Schrift gelesen wird.
Altdeutsche Schrift heute
Heute begegnet man Fraktur vor allem in Zeitungsköpfen, auf Bier-Etiketten, Gasthausschildern und in der Musikszene. Für eigene Projekte gilt: kurze Wörter, großzügige Größe und ausreichend Kontrast. Im Druck führt an einer echten Schriftdatei kein Weg vorbei; für Social Media, Nachrichten und schnelle Entwürfe reicht der Fraktur-Look aus dem Generator.
Kurz beantwortet
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Fraktur und Sütterlin?
Fraktur ist eine gedruckte Schrift für Bücher und Zeitungen. Sütterlin ist eine Handschrift, die in Schulen gelehrt wurde. Beide gehören zur „altdeutschen Schrift“.
Kann ich mit dem Generator Sütterlin schreiben?
Nein. Unicode enthält keine Sütterlin- oder Kurrent-Buchstaben. Dafür benötigst du eine spezielle Schriftart, die du auf deinem Computer installierst.
Wer kann alte deutsche Handschriften heute noch lesen?
Neben Archiven und Familienforschungsvereinen bieten Volkshochschulen und Online-Kurse Lesekurse an. Viele Menschen lernen die Schrift, um Briefe und Dokumente ihrer Vorfahren zu entziffern.